Dresden, 17.03.2026
Sehr geehrte Frau Staatsministerin Klepsch,
sehr geehrte Frau Staatsministerin Kraushaar,
sehr geehrte Damen und Herren,
mit großer Sorge haben wir aus jüngsten Presseberichten von insgesamt 64 Prüfaufträgen der sächsischen Staatsregierung Kenntnis genommen. Besonders beunruhigt uns in diesem Zusammenhang jedoch die öffentlich diskutierte Möglichkeit, das Landesamt für Archäologie Sachsen mit dem Landesamt für Denkmalpflege zusammenzulegen und beide Einrichtungen in eine noch größere Behördenstruktur zu integrieren. Wir befürchten, dass dadurch die hohe Qualität der archäologischen Arbeit im Freistaat Sachsen, die stets ein Aushängeschild der außeruniversitären Forschung war, erheblich beeinträchtigt oder gar nachhaltig beschädigt werden könnte.
Wir, die Archäologische Gesellschaft in Sachsen e.V. (AGiS), setzen uns seit 15 Jahren zivilgesellschaftlich für die Förderung und Vermittlung der archäologischen Denkmalpflege ein – in enger Kooperation mit dem Landesamt für Archäologie Sachsen, unter dessen Dach auch das Staatliche Museum für Archäologie Sachsen (smac) angesiedelt ist, sowie mit weiteren universitären Einrichtungen in Sachsen. Das stetige Wachstum unseres Vereins spiegelt das ausgeprägte öffentliche Interesse an archäologischen Themen wider, was sich auch in den steigenden Teilnahmezahlen an unseren zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen für Jung und Alt zeigt.
Die AGiS unterstützt das Landesamt für Archäologie Sachsen, das als Fachbehörde für die archäologischen Denkmäler des Landes zuständig ist, seit Jahren erfolgreich bei der Vermittlung archäologischen Wissens an eine breite Öffentlichkeit. Dazu zählen unter anderem Informationsangebote im ländlichen Raum, Wanderausstellungen, digitale Formate sowie die Präsenz bei landesweiten Veranstaltungen, zuletzt etwa beim Tag der Sachsen in Sebnitz oder bei den jährlich stattfindenden Tagen der Landesarchäologie von Sachsen. Bei diesen hatten sich im November 2025 wieder mehr als 300 Fachleute und ehrenamtlich engagierte Denkmal- und Bodendenkmalpfleger eingefunden, um sich über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Ergebnisse der Arbeiten in der Landesarchäologie zu informieren und auszutauschen. Sie, sehr geehrte Frau Staatsministerin Klepsch, hatten in Ihrem Grußwort sowohl allen praktisch und wissenschaftlich Engagierten als auch den vielen ehrenamtlich Tätigen nicht nur für ihr Wirken gedankt, sondern diese auch ermuntert, sich weiter intensiv für die Archäologie Sachsens einzusetzen. Ein besonderes Beispiel für unsere Zusammenarbeit mit dem Landesamt ist die Realisierung des Archaeo-Pfades in Dresden, eines kulturhistorischen Rundwanderwegs am Geberbach bei Prohlis, der archäologische Fundstellen von der Jungsteinzeit bis zur Gegenwart anschaulich präsentiert, in kulturgeschichtliche Zusammenhänge stellt und so als innovatives Bildungsformat breite Bevölkerungsschichten anspricht.
Die Archäologie hat sich in den vergangenen Jahren in den Medien zu einer Leitwissenschaft entwickelt. Zahlreiche Beiträge in Presse und Fernsehen belegen dies eindrucksvoll. Dabei stehen nicht nur herausragende Einzelbefunde wie die Himmelsscheibe von Nebra im Fokus, sondern auch die grundlegende Bedeutung archäologischer Forschung für die historische Selbstverortung der Menschen. Archäologie vermittelt Identität, Heimat und wichtiges historisches Wissen weit vor jeglicher schriftlichen Überlieferung und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Verankerung in unserer Gesellschaft.
Ein klarer Beleg für das hohe fachliche Ansehen des Landesamts für Archäologie Sachsen ist das Ranking der Sächsischen Zeitung für das Jahr 2025 im Bereich Forschung. Dort wurde das Landesamt für Archäologie mit dem gemeinsam vom sächsischen Ministerpräsidenten präsentierten bronzezeitlichen Depotfund von KleinNeundorf auf den ersten Platz gesetzt. Dieses Renommee ist das Ergebnis einer klaren fachlich hochspezialisierten Arbeit, institutionellen Eigenständigkeit und kontinuierlichen wissenschaftlichen Weiterentwicklung. Bereits 2024 nahm das Landesamt für Archäologie Sachsen mit dem montanarchäologischen Projekt „ArchaeoTin“ einen ersten Platz ein.
Die Erfahrungen der letzten Jahre in zahlreichen Wissensbereichen zeigen deutlich, dass Spezialisierung und fachliche Schärfung zu besseren Ergebnissen führen als eine Zusammenlegung zu größeren, vermeintlich „schlagkräftigeren“, jedoch in der Realität deutlich trägeren und verwaltungsintensiveren Einheiten. Dies gilt für die Forschung mit ihrer Ausdifferenzierung in Disziplinen ebenso wie für die Denkmalpflege. Nur ein fachgerechter, mit wissenschaftlich Begründung versehener Ansatz, der einer ständigen Weiterentwicklung unterliegt, ist in der Lage, die archäologischen Denkmäler mit ihren spezifischen Anforderungen sachgerecht zu schützen sowie sie im Falle ihrer Gefährdung angemessen zu untersuchen und zu dokumentieren.
Dabei ist die Unabhängigkeit des Landesamtes für Archäologie Sachsen als Fachbehörde zur Beurteilung der Schutzwürdigkeit von archäologischen Denkmälern im Zusammenspiel mit den hierarchisch gestaffelten, für den Vollzug zuständigen Denkmalschutzbehörden eine wesentliche Grundlage für diese Aufgabe.
Sehr erschrocken waren wir auch über den sich in einem Prüfauftrag andeutenden Gedanken, das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz (smac) aus dem Landesamt für Archäologie Sachsen herauszulösen. Das smac kann mit seiner Dauerausstellung nur als integraler Bestandteil des Landesamtes existieren: Die archäologischen Funde des Landesamtes sind die Exponate jeglicher musealen Präsentation und die Basis musealer Forschung am Ausstellungsobjekt. Nur in dieser institutionellen Einheit kann der denkmalpflegerische Auftrag des Landesamtes für Archäologie umfassend erfüllt werden: Die laufenden Forschungen des Landesamtes überprüfen, erweitern und präzisieren kontinuierlich das Wissen über das archäologische Erbe Sachsens und sichern damit die wissenschaftliche Aktualität und Glaubwürdigkeit der Ausstellungen im smac, das als Schaufenster der sächsischen Archäologie fungiert und mit seinen zahlreichen regelmäßigen Sonderausstellungen die Landesarchäologie in überregionale kulturgeschichtliche Zusammenhänge einbettet.
Ein weiterer wesentlicher Vorteil der derzeitigen Organisationsform liegt in der hohen Flexibilität und Bürgernähe kleinerer, spezialisierter Behörden. Die starke Präsenz des Landesamts für Archäologie Sachsen im ländlichen Raum, seine niederschwelligen Vermittlungsangebote sowie die gezielte Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen haben in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Aus unmittelbaren Rückmeldungen, die wir als AGiS auch bei unseren Veranstaltungen erhalten, wird dieses zivilgesellschaftliche Engagement von den Menschen in Sachsen sehr geschätzt und stärkt das Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Institutionen. Die gesellschaftliche Akzeptanz von Denkmalpflege und Archäologie ist unserer Erfahrung nach ein wichtiger Baustein eines kulturellen Selbstbewusstseins, das gerade in Sachsen von zentraler Bedeutung ist. Wir Archäologinnen und Archäologen im Vorstand der AGiS, tätig in einem breiten Feld der Denkmalpflege und Archäologie, sind überzeugt, dass die bestmögliche Vermittlung von Wissen über unsere frühe Geschichte sowie die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger bei der Suche nach historischer Identität und Heimat aus der Mitte der Gesellschaft heraus erfolgen müssen. Gerade die Parteien der politischen Mitte tragen hierfür eine besondere Verantwortung, damit dieser zentrale Bereich kultureller Verankerung nicht von extremistischen Ideologien übernommen, missbraucht und vereinnahmt wird.
Vor diesem Hintergrund bitten wir Sie eindringlich, die Einheit des Landesamts für Archäologie Sachsen mit dem Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz als unabhängige, selbstständige und bedeutende kulturelle Einrichtungen der Archäologie im Freistaat Sachsen zu bewahren und von einer Zusammenlegung mit dem Landesamt für Denkmalpflege oder einer Integration in eine Großbehörde abzusehen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Florian Innerhofer
für den Vorstand und die Mitglieder der Archäologischen Gesellschaft in Sachsen e.V.