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Rückblicke 2019

Burg Schönfels mit Sonderausstellung „Ein Dorf von wilder Wurzel – 650 Jahre Ersterwähnung Lichtentanne“ & Priesterhäuser Zwickau

 

Besprechung folgt. Abbildungsnachweis: © Lutz Jansen (1,2), AGiS (3,4)


Archäologisch-heimatkundliche Radtour in der Großenhainer Pflege im Rahmen der "Europäischen Archäologie-Tage 2019"

 

Wo heute die Nachtigall ihr Lied singt und vor 30 Jahren noch Panzer fuhren, erstreckte sich zwischen 1941 und 1945 eines der größten Kriegsgefangenenlager des Zweiten Weltkriegs auf deutschem Boden. Es war für tausende sowjetische, später auch polnische und italienische Soldaten ein Ort des Schreckens und massenhaften Sterbens. Dieses archäologische Kulturdenkmal im Naturschutzgebiet "Gohrischheide" war in diesem Jahr Schwerpunkt unserer archäologisch-heimatkundlichen Radtour durch die Großenhainer Pflege. Die 30 Teilnehmer hatten Gelegenheit, unter der Leitung von Jens Nagel die Gedenkstätte "Ehrenhain Zeithain" einschließlich Lagerareal kennenzulernen und von Dr. Kneis mehr über das Naturschutzgebiet zu erfahren. Frau Pradella von der Kirchengemeinde Zeithain öffnete und erläuterte die Laurentius-Kirche in Lorenzkirch. Herrn Dr. Kneis, Herrn Nagel, dem Leiter der Gedenkstätte Ehrenhain-Zeithain sowie Frau Pradella gilt unser herzlicher Dank. Die Radtour wurde von den AGiS-Mitgliedern Drs. Ender und Strobel begleitet, die in Jacobsthal, Kreinitz und Gohlis über die Besiedlungsgeschichte von der Jungsteinzeit bis ins Hochmittelalter auch anhand aktueller Grabungen informierten.

Abbildungsnachweis: © Michael Hiemann (1-3), AGiS (4)


Archäologisch-heimatkundliche Radtour im Umfeld der Stadt Lommatzsch

 

So hoch hinaus und thematisch so in die Breite ging es bei den archäologisch-heimatkundlichen Radtouren in die Lommatzscher Pflege selten: Die Besteigung des Turms der Marienkirche in Leuben wurde nicht nur durch einen herrlichen Fernblick auf das südlich Lösshügelland belohnt, sondern auch durch die Anwesenheit von Schleiereule, Turmfalke und Fledermäusen, die hier ihre Brutplätze und Wochenstuben haben. Ein Orgelkonzert hob die rund 30 Teilnehmer schließlich in höhere Sphären. Thematisch in die Breite führten Informationen zur Geologie und Erdgeschichte, zu Fauna und Flora sowie Natur- und Denkmalschutz bzw. Besiedlungsgeschichte der Lommatzscher Pflege, in der seit der Jungsteinzeit Wechselwirkungen zwischen lokalen Bevölkerungsgruppen und äußeren Einflüssen nachweisbar sind. Unser herzlicher Dank gilt dem Organisten und langjährigen Grabungsmitarbeiter des Landesamtes für Archäologie, Karl-Heinz Riemer aus Leuben, seiner Frau sowie Frau Bielor vom Vorstand der Kirchengemeinde, die uns Kirche und Turm zugänglich gemacht haben. Herrn Dr. Dittrich und Herrn Ende danken wir vielmals für ihre geologische und naturschutzfachliche Expertise, dem "Verein für Heimat und Kultur in der Lommatzscher Pflege e.V." für die großzügige Unterstützung der Radtour sowie dem Gasthof Lossen für das vorzügliche Mittagsmahl.

Abbildungsnachweis: © Förderverein für Heimat und Kultur in der Lommatzscher Pflege e.V. (1,3,4,), AGiS (2)


Historisch-archäologische Exkursion zur Felsenburg Winterstein in der Sächsischen Schweiz

 

Am 25. Mai statteten wir unter der Leitung von Matthias Weinhold und Dr. Ingo Kraft der Felsenburg Winterstein einen Besuch ab. Schon die Anreise verzauberte mit malerischen Landschaften: Sowohl das Elbtal bei Bad Schandau als auch das Kirnitzschtal und der canonartige Große Zschand boten eine einzigartige Naturkulisse. Ausgehend von der Neumannmühle fanden sich am Weg immer wieder geeignete Plätze zum Verschnaufen, wo en-passant in den aktuellen Forschungsstand zur steinzeitlichen Begehung und Besiedlung des Elbsandsteingebirges sowie in das Phänomen der Felsenburgen eingeführt wurde. Bereits am Fuß des Wintersteinmassivs konnte man erste Balkenlager und Falze des einstigen Wehrganges sichten. Dank anschaulicher Erklärungen von Matthias Weinhold erschloss sich Schritt für Schritt die einstige Burganlage. Wer den Aufstieg zum Gipfel über Leitern und Klüfte nicht scheute, wurde mit einem faszinierenden Panorama-Blick belohnt, der auch die Felsmassive der benachbarten Burgen auf dem Arnstein und Wildenstein mit einschloss. Gemeinsam mit der wohl bekanntesten Felsenburg im Elbsandsteingebirge, der "Bastei" ( Neurathen), sind sie Teil einer eigenwilligen Burgenlandschaft, die sich zu erkunden lohnt. Dank hervorragender Schutzlagen, die die Felsformationen boten, konnten die böhmischen Adligen, die diese Burgen seit dem 13. Jahrhundert in der Pufferzone zwischen Böhmen und Sachsen errichteten, auf mächtige Steintürme und imposantes Mauerwerk verzichten. Künstliche Felsräume, durchdachte Systeme der Wasserversorgung und Wehrgänge in zum Teil schwindelerregender Höhe lassen den Aufwand, aber auch den Einfallsreichtum bei Bau dieser Burgen erahnen. Bei der abschließenden Einkehr in der Neumannmühle konnte man den besonderen Reiz der Landschaft auf sich wirken lassen. Ein herzlicher Dank an Matthias Weinhold und Dr. Ingo Kraft, die uns wunderbar geleitet und unterhalten haben!

Zur Nachlese: Matthias Weinhold & Anne Müller: Felsenburgen der Sächsischen Schweiz. Neurathen, Winterstein, Arnstein. Regensburg 2010

Abbildungsnachweis: ©AGiS


Altslawische Burgwälle im Rochlitzer Land und romanische Stiftskirche sowie Park der Schloss- und Klosteranlage Wechselburg

 

Besprechung folgt. Abbildungsnachweis: ©AGiS


AGiS-Jahrestagung 2019 und Mitgliederversammlung im Stadtmuseum Riesa

 

Naturschutz und archäologische Denkmalpflege leben vom ehrenamtlichen Engagement. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert setzen sich Ehrenamtliche für die Erforschung und Pflege von Kulturlandschaft und Bodendenkmalen ein. Wie sich der Riesaer Lehrer Alfred Mirtschin zwischen 1922 und 1962 der Archäologie verschrieben hat, widmeten sich mit vergleichbarer Akribie, Hingabe und Leidenschaft seine Lehrerkollegen Ernst Peschel und Emil Fiedler der Botanik und Vogelkunde. Jeder hat auf seine Weise zur Erforschung der Natur- und Kulturlandschaft im Raum Riesa beigetragen. Es war daher naheliegend, im Vortragsprogramm unserer Jahrestagung im Stadtmuseum Riesa dieses herausragende Wirken zu würdigen und gleichzeitig eine Brücke in die Gegenwart zu schlagen. Zwei Vorträge zu aktuellen Grabungsergebnissen zeigten anschaulich, an welchen Leistungen archäologische Denkmalpflege heute anknüpfen kann. Wir danken herzlich allen Referenten sowie dem Team des Stadtmuseums Riesa für seine Gastfreundschaft in den Veranstaltungs- und Ausstellungsräumen am Poppitzer Platz, insbesondere der Leiterin Frau Maritta Prätzel. Archäologie als Kunst - Kunst als Archäologie: Eine Ausstellung von Bildern unseres Mitglieds Jörg Danielczyk verlieh der Tagung eine ganz neue ästhetische Dimension. Dafür ein großes Dankeschön!

Die Mitgliederversammlung stand ganz im Zeichen turnusgemäßer Wahlen, die Kassenprüfer und Vorstand einstimmig jeweils für die nächsten zwei bzw. vier Jahre in ihren Ämtern bestätigten. Zu Kassenprüfern wurden wieder Kerstin Kluske und Dr. Florian Innerhofer gewählt - ihnen gilt unserer besonderer Dank. Der Vorstand setzt sich künftig unverändert aus Dr. Thomas Westphalen (1. Vorsitzender), Jasmin Kaiser M.A. (1. Stellvertretende Vorsitzende), Anja Kaltofen M.A. (2. Stellvertretende Vorsitzende), Dr. Rebecca Wegener (Schatzmeisterin) sowie Dr. Michael Strobel (Schriftführer) zusammen.

Die Nachmittagsexkursion führte uns zur Gedenkstätte Ehrenhain-Zeithain sowie in das benachbarte Kriegsgefangenenlager Zeithain. Dem Gedenkstättenleiter, Herrn Jens Nagel M.A. verdanken wir eine Führung, die keinen Teilnehmer unberührt ließ angesichts des Leidens und Sterbens, das an diesen Orten greifbar wird. Auch ihm sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Die nächste Jahrestagung wird auf Einladung des Museums der Westlausitz im April 2020 in Kamenz stattfinden.

Abbildungsnachweis: © AGiS (1,2), Lutz Jansen (3,4)


Frühjahrs-Spaziergang: Entlang alter Verkehrswege über die Borsberghänge zwischen Graupa und Zaschendorf

 

Gemeinsam mit Dr. Bernd Hofmann und Vertretern von Sachsenforst wandelten wir am 23. März auf den Spuren historischer Verkehrswege. Der Korridor, der einst die Niederung nördlich von Pirna über Graupa mit dem Schönfelder Hochland verband, war ein wichtiger Abschnitt des überregionalen Verkehrszuges zwischen Böhmen im Süden und der "Via Regia" bei Königsbrück im Norden. Auf den Borsberghängen hatten sich mehrere, voneinander unabhängige Verkehrs­trassen herausgebildet. Die Wanderung bot Gelegenheit, sich gemeinsam über Verkehrsmittel, Spurweiten, Geleitwesen Gedanken zu machen und Antworten zu erhalten. Der Hinweg führte über den Großgraupaer Kirchweg, den Leitenweg und den Kleingraupaer Kirchweg nach Zaschendorf, wo uns das "Windmüllerhaus" mit einem prächtigen Kuchenangebot verwöhnte. Von dort folgten wir dem Pirnaer Marktweg, der eine traumhafte Fernsicht über die Sächsische Schweiz bis nach Böhmen bot. Unterwegs informierten Jörg Fleischer (Sachsenforst) und der zuständige Revierförster Michael Blaß über Herausforderungen, Strategien und Chancen multifunktionaler Forstwirtschaft. Danach sah man den Wald mit anderen Augen. Ein herzlicher Dank an alle Beteiligten!

Abbildungsnachweis: © AGiS


Historisch-archäologische Exkursion zu mittelalterlichen Denkmalen im Leipziger Südraum: Schloss Frohburg und sein Umland

 

Besprechung folgt. Abbildungsnachweis: © Karina Iwe


Besuch des "Museums für mittelalterlichen Bergbau im Erzgebirge" (MiBERZ) in Dippoldiswalde

 

Am 16. Februar stand das "Museum für mittelalterlichen Bergbau" im Schloss von Dippoldiswalde auf dem Programm. Die kleine exzellente Schau präsentiert Ergebnisse montanarchäologischer Untersuchungen, die vorrangig im Rahmen des ArchaeoMontan-Projektes in den Jahren 2012 bis 2018 im sächsisch-böhmischen Erzgebirge gewonnen wurden. Zahlreiche Holzobjekte haben über 800 Jahre unter Tage überdauert und werden nun - nach aufwändiger Bergung und Konservierung - einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Dabei sind sie weit mehr als technikgeschichtliches Anschauungsmaterial: Im günstigen Fall verraten die Hölzer anhand ihrer Jahresringe das genaue Fälljahr und die Art des jeweiligen Baumes. Neben diesen europaweit einzigartigen Fundstücken, die die Arbeit unter Tage illustrieren, werden Alltagsgegenstände aus den ältesten Bergbausiedlungen Sachsens und Böhmens gezeigt. Eingebettet werden die Funde in den Kontext aus schriftlicher Überlieferung und historischen Abbildungen. Wem nach dem Museumsbesuch der Sinn nach einem Spaziergang stand, der folgte dem Bergbaulehrpfad: Der Rundgang durch das Dippoldiswalder Stadtgebiet verbindet obertägig Fundstellen, die Gegenstand archäologischer Forschungen waren.

Abbildungsnachweis: © Landesamt für Archäologie Sachsen (1), AGiS (2-4)


Die Meißner Albrechtsburg: Kellerführung für Erwachsene & Taschenlampenexpedition für Kinder

 

In der Abenddämmerung des 3. Februar statteten wir der Meissner Albrechtsburg einen Besuch der besonderen Art ab: Während die mit Taschenlampen ausgerüstete Kindergruppe die oberen Schloss-Etagen durchstreifte, widmeten sich die Erwachsenen den Kellern. Von der Jahrtausende langen Nutzung des Plateaus zeugen u.a. spätbronzezeitliche/ früheisenzeitliche und frühdeutsche Kulturschichten im Profil der Stirnwand einer Kellertonne. Im 10. und 11. Jahrhundert war Meißen mit Burg, früher Stadt und Bischofssitz das Zentrum der Mark Meißen. Erst um 1100 festigten sich die Machtkonstellationen zugunsten der Wettiner, die nun hier ihren Herrschaftsmittelpunkt schufen. 1471 -1493 wurde im Bereich der ehemaligen Markgrafenburg die heutige Albrechtsburg errichtet. Mit diesem Neubau entstanden die Mehrheit der unterirdischen Tonnengewölbe sowie ein überdimensionaler Toiletten-Schacht. Teile des Untergeschosses des alten markgräflichen Palastes und der Burgmauer des 12. Jahrhunderts wurden in die neue Anlage einbezogen und sind heute noch sichtbar.

Nachdem sich die Bauherren Ernst und Albrecht von Sachsen 1485 überworfen hatten, nutzten die Wettiner das Schloss im 16. und 17. Jahrhundert vorwiegend saisonal. Das änderte sich 1710 mit dem Einzug der Porzellanmanufaktur: Die Keller dienten nun als Masselager und Brennräume, später auch als Formenlager. Im heutigen Lapidarium trieb ein Pferdegöpel diverse Maschinen an, die sich in den oberen Etagen des Schlosses befanden. Während des Zweiten Weltkrieges lagerten unter der Albrechtsburg bedeutende Kunstschätze wie der Aachener Domschatz und die Sixtinische Madonna.

Für die abschließende Schneeballschlacht bot der Dom, einst Grablege der Wettiner, eine prachtvolle Kulisse. Wir danken Armin Peters und Anja Graul für den anheimelnden Abend!