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Rückblicke 2018

Besuch der Sonderausstellung "Tod & Ritual. Kulturen von Abschied und Erinnerung" im smac

 

Am 28. Januar führte uns Jasmin Kaiser M.A., Ausstellungskuratorin und AGiS-Vorstandsmitglied, durch die Sonderausstellung "Tod & Ritual. Kulturen von Abschied und Erinnerung" im Chemnitzer Archäologiemuseum smac. Die Ausstellung erzählt - ausgehend vom prähistorischen Gräberfeld von Niederkaina bei Bautzen - über den Umgang mit Verstorbenen. Auf dem Niederkainaer Schafberg wurden zwischen 2500 und 500 v. Chr. Tote bestattet und dank intensiver archäologischer Forschung kann heute ein aufwändiges Totenritual sichtbar gemacht werden. Der Individualität des Sterbens wurde ein geregelter Handlungsrahmen (Ritual), entgegengesetzt, der Ordnung und Orientierung schuf. Diese Fürsorge über den Tod hinaus wurde während der Bronzezeit europaweit in ähnlicher Art und Weise praktiziert: Üblich war z.B. die Verbrennung des Toten auf dem Scheiterhaufen mit Speisen- und Getränken; möglicherweise waren diese der Versorgung des Verstorbenen gewidmet oder Gaben, die die Götter gnädig stimmen sollten. Dass auch Hinterbliebene ein festliches Abschiedsgelage feierten, ist in antiken Quellen belegt. Auch die Vorstellung, dass das Leben nach dem Tod andernorts fortgesetzt wird, ist aus vielen historischen Kulturen überliefert. Während der Bronzezeit symbolisieren Vögel, Boote und Wagen, die auch aus Grabkontexten stammen, den Wechsel zwischen Diesseits, Jenseits und göttlicher Sphäre. Häusliche Elemente wie hausförmige Urnen, Grabkammern oder Totenhäuser boten über den Tod hinaus Schutz.

Die akribische Arbeitsweise der Archäologie wird am Beispiel der Blockbergung einer eisenzeitlichen Urnenbestattung aus Niederkaina sichtbar. Weitere wertvolle Bausteine zur Rekonstruktion prähistorischen Lebens und Sterbens liefern anthropologische Untersuchungen der Knochenreste: hier kristallisieren sich sowohl Einzelschicksale, als auch Lebenserwartung und Lebensbedingungen der auf dem Schafberg bestatteten Bevölkerung heraus. Von den Geschichten der über 2000 Gräber ausgehend, greift die Ausstellung weit über den Rahmen der Archäologie hinaus und zeigt die weltweite Vielfalt der Bestattungs- und Gedenkrituale in traditionellen Kulturen sowie in modernen Gesellschaften. Durch den Vergleich mit Bild- und Schriftquellen aus dem Alten Ägypten und dem antiken Griechenland erhellt sich der Hintergrund der mitteleuropäischen Bestattungssitten; konkrete Bezüge finden sich z.B. in den detaillierten Schilderungen in Homers Epos "Ilias".

Am Ende der Ausstellung - nach Sichtung aller Optionen - erhält man Gelegenheit, eigene Einstellungen und Wünsche zum Tod zu äußern. Empfohlen sei auch die Lektüre des Begleitbandes, der wissenschaftliche Sichtweisen unterschiedlicher Fachrichtungen zum Thema Tod in gelungener Weise vereint. Eine universelle Ausstellung, die breite Aufmerksamkeit verdient - Gratulation an die Kuratoren Jasmin Kaiser, Gabriela Manschus und Jens Beutmann!


AGiS-Kinoabend: „Der Mann aus dem Eis“

 

Am 23. Januar fanden sich rund 70 Zuschauer zum ersten Filmabend der AGiS im Dresdner Programmkino Ost zusammen, um gemeinsam den Film "Der Mann aus dem Eis" zu sehen. Felix Randaus Verfilmung der letzten Lebenstage von Ötzi wurde in jener Region gedreht, in der er vor ca. 5200 Jahren starb. Sogwirkung erzeugten die monumentalen Landschaftsaufnahmen und die Geräuschkulisse. Die wenigen Dialoge in frühem Rätisch erschlossen sich auch ohne Untertitel.

Sehgewohnheiten aus Hollywood-Filmen wurden hier nicht bedient: es gab keinen einzigen kitschigen Moment; der Hauptdarsteller war immer geerdet, existentiell aufs Überleben fokussiert. Und ja, es gibt brutale Szenen - einen schönen, sauberen oder heroischen Tod stirbt hier niemand. Aber den Film darauf zu reduzieren, wird ihm nicht gerecht. Jürgens Vogels Markenzeichen (das Grinsen mit Problemgebiss) blieb ungezeigt - es gab einfach keinen Grund.

Aus Sicht der Archäologen hat der Film bestanden, wie die Gespräche im Anschluss zeigten. Diejenigen, die sich mit Visualisierung und Rekonstruktion beschäftigen, wissen um den Mut, der dazu gehört. Der Film ist ein Beispiel für die Lebenswelt in der Kupferzeit - nebensächlich, ob die Geschichte nun genau so ablief oder nicht. Neben dem Kampf ums Überleben schimmerten die Mühen des Alltags durch. Fazit: Ein sehenswerter Film, und wer das quälende Sterben nicht sehen mag, hat den Luxus, wegschauen zu können.

Aufgrund der großen Resonanz auf die Veranstaltung planen wir für den nächsten Winter eine Fortsetzung - Film-Vorschläge werden entgegengenommen!

Abbildungsnachweis: © dermannausdemeis-film.de